Lohnunternehmer oder eigener Streuer: Wann sich die Anschaffung rechnet

Das Wichtigste in Kürze

  • Kernaussage: Ob ein Betrieb selbst streut oder einen Lohnunternehmer beauftragt, ist zunächst eine Kostenfrage je Hektar – daneben zählen Termintreue, Arbeitsspitzen und Flexibilität.
  • Entscheidend: Der eigene Streuer rechnet sich ab der Break-even-Fläche: jährliche Fixkosten ÷ (Verrechnungssatz des Lohnunternehmers − variable Kosten je Hektar). Liegt der Verrechnungssatz nicht über den variablen Kosten, rechnet er sich nie. Bei seltener, saisonaler Nutzung sprechen die Fixkosten oft für den Lohnunternehmer; überbetriebliche Nutzung erhöht die Auslastung.
  • Empfehlung: Fixkosten, variable Kosten und die realistische Einsatzfläche zusammentragen, die Break-even-Fläche berechnen und mit den aktuellen regionalen Verrechnungssätzen vergleichen.

Ob ein Betrieb Kalk und Dünger selbst streut oder an einen Lohnunternehmer vergibt, ist zunächst eine Kostenfrage. Dahinter steht aber mehr: Termintreue, Arbeitsspitzen, Maschinenpark und Flexibilität spielen mit. Der Beitrag zeigt, wie sich die Kosten je Hektar vergleichen lassen und ab welcher Fläche ein eigener Streuer in der Regel wirtschaftlich wird. Worauf es beim Kauf ankommt, zeigt Kalkstreuer kaufen.

Die Ausgangsfrage: Kosten pro Hektar

Der Vergleich beider Wege läuft über die Kosten je Hektar (oder je Tonne ausgebrachtem Material). Beim Lohnunternehmer ist dies der Verrechnungssatz, beim eigenen Streuer die Summe aus Fixkosten, die auf die jährliche Einsatzfläche verteilt werden, und variablen Kosten. Entscheidend ist, dass die Kalkulation vollständig ist – wer nur Dieselverbrauch und Arbeitszeit rechnet, vergleicht zwei unterschiedliche Größen. Die Kalkulation lässt sich mit KTBL-Daten und den Erfahrungssätzen der Landwirtschaftskammern nachvollziehen.

Kostenbausteine beim eigenen Streuer

Fixkosten (Abschreibung, Zins, Versicherung, Unterbringung)

Fixkosten fallen unabhängig davon an, wie viele Hektar bearbeitet werden. Dazu gehören die Abschreibung (Wertverlust der Maschine über die Nutzungsdauer), die Zinsen auf das gebundene Kapital, die Versicherung und die Unterbringung in der Halle.

Sie sind besonders dann bedeutsam, wenn der Streuer nur wenige Tage im Jahr läuft, denn dann verteilen sie sich auf wenige Hektar.

Nutzungsdauer und Reparaturkosten für Streuertypen sind in den KTBL-Kalkulationsdaten (Maschinenkostendatenbank) hinterlegt und sollten dort für den konkreten Streuertyp nachgeschlagen werden.

Variable Kosten (Schlepper, Arbeit, Verschleiß)

Variable Kosten wachsen mit der bearbeiteten Fläche: Kosten der Zugmaschine einschließlich Kraftstoff, Arbeitszeit des Fahrers sowie Reparaturen und Verschleiß am Streuer. Bei Kalk und Dünger kommt hinzu, dass die Materialien Korrosion und Abrieb verursachen, was Wartung und Verschleißteile verteuern kann (siehe Wartung und Pflege von Streuern).

Verrechnungssätze als Benchmark

Maschinenring, LWK-Erfahrungssätze, KTBL

Als Maßstab dienen die Verrechnungssätze der Maschinenringe, die Erfahrungssätze der Landwirtschaftskammern für überbetriebliche Maschinenarbeiten und die Daten der Leistungs-Kostenrechnung Pflanzenbau des KTBL. Sie geben an, was die Dienstleistung üblicherweise kostet oder welche Kosten bei eigener Maschine anfallen.

Zu beachten ist, dass diese Sätze regional und von Jahr zu Jahr schwanken; für eine belastbare Rechnung sollten die aktuellen Sätze der eigenen Region verwendet werden.

Break-even: ab wie vielen Hektar sich der Eigenbesitz lohnt (Beispielrechnung)

Die Break-even-Fläche ist die Hektarzahl, ab der der eigene Streuer günstiger ist als die Fremdvergabe. Sie ergibt sich aus einer einfachen Formel:

Break-even-Fläche (ha/Jahr) = jährliche Fixkosten ÷ (Verrechnungssatz des Lohnunternehmers − variable Kosten je ha)

Beispielhaft gilt: Betragen die jährlichen Fixkosten F, der Verrechnungssatz V und die variablen Kosten je Hektar K, so lohnt sich der Eigenbesitz ab F ÷ (V − K) Hektar. Ist V kleiner oder gleich K, rechnet sich der eigene Streuer nie. Setzen Sie für F, V und K die Werte aus den oben genannten Quellen und der eigenen Buchführung ein.

Bei seltener, saisonaler Nutzung sprechen die Fixkosten oft für den Lohnunternehmer. Das Ergebnis ist aber nur so gut wie die Annahmen: Realistisch sollte die jährliche Einsatzfläche geschätzt werden, nicht die Fläche, die im besten Fall anfällt.

Weitere Kriterien: Zeitfenster, Termintreue, überbetriebliche Nutzung

Neben den Kosten sprechen weitere Gründe für die eine oder andere Lösung:

  • Zeitfenster: Wer auf Wetter und Befahrbarkeit angewiesen ist, braucht die Maschine dann, wenn der Boden trägt. Der Lohnunternehmer hat viele Kunden, der eigene Streuer steht jederzeit bereit.
  • Termintreue: Gerade bei Kalkung im Herbst und Düngung im Frühjahr entstehen Spitzen, in denen Lohnunternehmer ausgelastet sind.
  • Überbetriebliche Nutzung: Ein Streuer kann gemeinsam mit Nachbarbetrieben genutzt oder im Maschinenring eingesetzt werden, was die Auslastung erhöht und die Kosten je Hektar senkt.
  • Genauigkeit und Dokumentation: Mit der eigenen Maschine lässt sich die Streugenauigkeit selbst kontrollieren und die Dokumentation nach Düngeverordnung steuern.

Fazit und Entscheidungshilfe

Der eigene Streuer lohnt sich, wenn die jährliche Fläche über der Break-even-Grenze liegt, wenn Termine eine Rolle spielen und wenn die Maschine überbetrieblich ausgelastet werden kann. Der Lohnunternehmer ist die bessere Wahl bei kleinen Flächen oder wenn die Investition nicht zur Betriebsstrategie passt.

Ein Schritt zur Entscheidung: die Fixkosten, die variablen Kosten und die realistische Einsatzfläche zusammentragen und die Break-even-Fläche berechnen.

Für Fragen zur passenden Technik stehen der KURIER Kalkstreuer und der KURIER Düngerstreuer bereit, für eine individuelle Beratung das Kontaktformular.

Wie sich eine Anschaffung finanzieren oder fördern lässt, steht in Fördermöglichkeiten und Finanzierung.