Bodenverdichtung vermeiden: Streuen bei feuchten Böden und mit dem richtigen Reifendruck

Das Wichtigste in Kürze

  • Kernaussage: Schwere Streuer können den Boden verdichten, und Verdichtungen wirken oft über Jahre nach: Der Boden nimmt weniger Wasser auf, die Wurzeln dringen schwerer ein, Erträge sinken, die Kosten der Bodenbearbeitung steigen.
  • Entscheidend: Das Risiko ist auf feuchten Böden am größten. Drei Stellschrauben senken den Bodendruck: der Streutermin (Tragfähigkeit), Reifendruck und Reifenbreite sowie das Fahrwerk (Tandemachse, Breitreifen, geringere Füllung).
  • Empfehlung: Vor dem Streuen die Tragfähigkeit prüfen und im Zweifel warten, den Reifendruck nach Herstellerangaben anpassen und Überfahrten begrenzen. Eine verspätete Gabe ist weniger aufwendig als die Beseitigung einer Verdichtung.

Kalk und Dünger müssen auf den Acker, und dafür sind schwere Maschinen nötig. Dabei besteht immer die Gefahr, dass der Boden unter dem Gewicht verdichtet wird. Verdichtungen sind schwer zu beheben und wirken oft über Jahre nach. Wer Streuer einsetzt, sollte deshalb den Zeitpunkt, den Reifendruck und das Fahrwerk so wählen, dass der Boden möglichst wenig belastet wird.

Das Problem: schwere Maschinen und feuchte Böden

Wie Verdichtung entsteht

Landwirtschaftliche Maschinen befahren je nach Betrieb 70–100 % der Ackerflächen, und große Geräte wiegen bis zu 60 t. Das Gewicht wirkt über die Reifen auf den Boden und presst die Bodenporen zusammen – also die Hohlräume, in denen Luft und Wasser gespeichert werden. Je höher der Druck unter dem Reifen und je feuchter der Boden, desto leichter gibt der Boden nach, weil das Wasser zwischen den Bodenteilchen wie ein Gleitmittel wirkt. Dabei geht es nicht nur um die Oberfläche: Verdichtungen reichen mit hoher Last auch in tiefere Bodenschichten.

Folgen für Erträge, Drainage und Erosion

Ein verdichteter Boden kann Wasser schlechter aufnehmen und leiten. Die Wurzeln dringen schwerer in tiefere Schichten ein, Staunässe nimmt zu, und bei starkem Regen fließt Wasser an der Oberfläche ab, was Erosion begünstigt. Hinzu kommt, dass der Luftaustausch im Boden eingeschränkt ist, was das Bodenleben und die Nährstoffaufnahme der Pflanzen beeinträchtigt. Für den Betrieb bedeutet das in der Regel geringere Erträge und höhere Kosten für die Bodenbearbeitung.

Feuchte Böden: wann Streuen zu riskant ist

Tragfähigkeit und Wassergehalt

Die Tragfähigkeit eines Bodens sinkt mit seinem Wassergehalt. Auf nassen Böden verformt sich der Boden bereits bei geringer Last, auch wenn die Oberfläche trocken wirkt.

Spatenprobe und Ausrollprobe

Eine einfache Praxisprüfung ist die Spatenprobe: Bei der Ausrollprobe wird eine Handvoll Boden aus der Krume zwischen den Fingern gerollt: Lässt er sich formen, ist er meist zu feucht für Bodenbearbeitung und damit auch für schwere Maschinen; zerbröckelt er rasch, ist er trocken, schmierig bedeutet sehr nass. Ergänzend zeigt die Spatendiagnose an einem ausgehobenen Bodenblock Farbe, Struktur und Geruch – blaugraue Farbe deutet auf Luftmangel und Staunässe hin.

Folgen für das Streuen

Für das Streuen von Kalk gilt: Ein zu früher Termin auf nasser Fläche richtet mehr Schaden an, als eine verspätete Gabe an Nutzen bringt. Im Zweifel sollte gewartet werden, bis der Boden abgetrocknet ist.

Den passenden Termin für Kalk und Dünger behandelt Kalkung im Herbst oder Frühjahr; die Grundlagen zum Ausbringzeitpunkt stehen in Wann sollte man Kalk und Dünger ausbringen?.

Reifendruck und Breitreifen

Aufstandsfläche und Bodendruck

Bei nassen Böden sind Reifendruck und Reifenbreite entscheidend für den Bodendruck. Der Druck unter dem Reifen ergibt sich aus Last und Aufstandsfläche: Je größer die Fläche, auf der der Reifen aufliegt, desto geringer der Druck, den der Boden aufnehmen muss. Niederdruck- und Breitreifen verteilen das Gewicht deshalb auf eine größere Fläche.

Reifendruck an Last und Fahrgeschwindigkeit anpassen

Der Reifendruck sollte an die tatsächliche Achslast und die Fahrgeschwindigkeit angepasst werden. Auf dem Feld, bei geringer Geschwindigkeit, kann der Druck meist niedriger gewählt werden als auf der Straße, was die Aufstandsfläche vergrößert. Die zulässigen Werte geben die Reifenhersteller in ihren Tragfähigkeits- und Drucktabellen an; sie sind maßgeblich.

Bei Kuxmann-Streuern kommen Reifen der Typen BKT 648, BKT FL 630, Alliance 328 und Alliance 885 zum Einsatz – welcher Reifen montiert ist, hängt vom Modell ab, die Tabelle des jeweiligen Herstellers für Größe und Lastindex gilt.

Fahrwerkskonzepte bei Streuern

Drei Konzepte

Neben der Reifenwahl entscheidet das Fahrwerk des Streuers darüber, wie die Last verteilt wird. Grundsätzlich lassen sich drei Konzepte unterscheiden: Tandemachsen verteilen die Last auf zwei Achsen und verringern damit die Achslast, Breitreifen vergrößern die Aufstandsfläche, und eine niedrigere Gesamtmasse (bei geringerem Füllstand) senkt die Belastung unmittelbar. Zu beachten ist, dass auch die Stützlast an der Zugmaschine in die Gesamtbelastung eingeht.

Modelle und Daten

Beim KURIER Kalkstreuer und Düngerstreuer gibt es Einachsmodelle (K 8000 und K 12000 mit 5,3 bis 10 m³) und Tandemmodelle (K 12000 Tandem mit 10 m³, K 18000 Tandem mit 14 m³). Je nach Modell stehen die Reifen 550/60 x 22.5, 700/50 x 22.5 und 700/50 x 26.5 zur Verfügung. Laut Datenblatt liegt die Achslast bei den Einachsmodellen bei 10.000 kg und bei den Tandemmodellen bei 16.000 bzw. 20.000 kg; die zulässige Stützlast beträgt 2.000 kg (K 18000 Tandem: 4.000 kg). Die Deichsel ist gefedert, ein Bremssystem gehört zur Ausstattung.

Welche Ausführung passt?

Welche Ausführung für den eigenen Betrieb geeignet ist, hängt von der Bodenart, der Flächengröße und der Zugmaschine ab. Weitere Informationen finden sich auf der Seite zum KURIER Kalkstreuer und zum KURIER Düngerstreuer. Worauf es beim Kauf bei Volumen und Nutzlast ankommt, erklärt Kalkstreuer kaufen.

Praxis-Checkliste vor dem Streuen

  • Boden auf Tragfähigkeit prüfen; bei nassem Boden den Einsatz verschieben
  • Reifendruck an Last und Einsatzbedingungen anpassen (Herstellerangaben)
  • Behälter nur so weit füllen, wie es die Fläche und die Tragfähigkeit zulassen
  • Möglichst wenige Überfahrten planen und Fahrspuren (z. B. Fahrgassen) nutzen
  • Wendemanöver auf dem Vorgewende begrenzen, weil hier die Belastung durch Kurvenfahrten am höchsten ist
  • Nach dem Einsatz bei Schäden prüfen, ob sich Spuren vertieft haben

Bodenschonendes Arbeiten ist demnach eine Kombination aus Terminwahl, Reifendruck und Fahrwerk. Wer vor der Kalkung oder Düngung die Tragfähigkeit prüft und den Reifendruck anpasst, verhindert Verdichtungen, deren Beseitigung deutlich aufwendiger ist als jede Verzögerung des Streutermins. Für Grünland gilt dasselbe, siehe Grünland kalken und düngen.