Grünland kalken und düngen: Zeitpunkt, Mengen und Streutechnik
Das Wichtigste in Kürze
- Kernaussage: Auch Grünland versauert – unauffällig. Ein zu niedriger pH-Wert mindert Nährstoffverfügbarkeit, Ertrag und Futterqualität, weshalb eine geplante Kalkung nötig ist.
- Entscheidend: Die Zielwerte nach Bodenart liegen niedriger als auf Acker. Beprobt werden 40 Einstiche aus den oberen 10 cm. Gekalkt wird in kleinen, regelmäßigen Gaben, am besten nach der letzten Nutzung im Herbst. Bei Magnesiummangel hilft Magnesiumkalk; das Risiko der Weidetetanie erfordert zusätzlich einen Blick auf die Fütterung.
- Empfehlung: Regelmäßig beproben, den Zielbereich nach Bodenart anstreben, über mehrere Jahre in kleinen Gaben kalken und bodenschonend sowie genau streuen – bei kleinen Gaben wirkt sich eine ungleichmäßige Verteilung stärker aus.
Grünland wird bei der Kalkung oft vernachlässigt, weil sich der Boden nicht wie auf dem Acker regelmäßig durchmischt und die Pflanzennarbe dauerhaft bestehen bleibt. Gerade deshalb ist eine geplante Kalkung wichtig: Der Boden versauert, ohne dass es auf den ersten Blick sichtbar wird. Der Beitrag fasst zusammen, wann, wie viel und mit welcher Technik Grünland sinnvoll gekalkt wird.
Warum Grünland Kalk braucht
Versauerung, Futterqualität, Artenzusammensetzung
Auch Grünlandböden versauern im Laufe der Zeit: Niederschläge, die Umsetzung organischer Substanz und der Entzug von Kalzium über das Futter senken den pH-Wert. Ein zu niedriger pH-Wert verschlechtert die Nährstoffverfügbarkeit, hemmt das Bodenleben und begünstigt eine Verschiebung der Pflanzenbestände. Wertvolle Futtergräser und Kleearten werden zurückgedrängt, während säuretolerante Arten zunehmen. Dies mindert Ertrag und Futterqualität.
Die Landesanstalt Hessen (LLH) nennt als Ursachen sinkender pH-Werte vor allem höhere Erträge und sauer wirkende Dünger wie Harnstoff; umgekehrt verbessert Kalk Bodenstruktur, Wurzelbildung und Nährstoffverfügbarkeit. Die Verschiebung des Bestands beschreibt die Fachpresse (top agrar).
Deutliche Bestandseffekte der Kalkung zeigten Langzeitversuche allerdings vor allem bei stark saurem Boden, deutlich unter pH 5,0 (Gumpenstein).
Bodenprobe und Ziel-pH
Probenahme auf Grünland
Wie auf dem Acker ist die Bodenprobe die Grundlage der Kalkungsentscheidung (siehe Bodenprobe und pH-Wert). Auf Grünland empfiehlt das sächsische Landesamt (LfULG) 40 Einstiche je Probe (Acker: 20) aus den oberen 10 cm, der Hauptwurzelzone, mit dem Wiesenteller.
Die Einstiche werden im Zickzack oder entlang einer Diagonalen gleichmäßig verteilt; untypische Stellen wie Vorgewende, Ränder, Silo- und Dungplätze und Geilstellen bleiben außen vor oder werden getrennt beprobt.
Die geringe Tiefe trägt der Tatsache Rechnung, dass sich der Kalk im Grünland nicht durch Bodenbearbeitung verteilt.
Ziel-pH nach Bodenart
Der anzustrebende pH-Wert hängt von der Bodenart ab. Als Richtwerte gelten für Grünland mit bis zu 15 % Humus (pH-Wert in CaCl₂, Gehaltsklasse C „anzustreben, optimal“, LfULG Sachsen, Stand 2024): Die Zielwerte für Acker und die Nährstoffverfügbarkeit bei hohem pH erklärt pH-Wert und Kalkbedarf.
| Bodenart | Ziel-pH-Wert |
|---|---|
| Sand | 4,7–5,0 |
| anlehmiger bis lehmiger Sand | 5,2–5,5 |
| stark lehmiger Sand bis sandiger Lehm | 5,4–5,7 |
| Lehm | 5,6–5,9 |
| lehmiger Ton bis Ton | 5,7–6,1 |
Die Landesanstalt Hessen fasst die Böden in drei Gruppen und nennt für leichte Böden pH 5,0–5,5, für mittlere 5,5–6,2 und für schwere 5,7–6,5. Die Werte unterscheiden sich je nach Bundesland; maßgeblich ist die Empfehlung Ihrer Landwirtschaftskammer. Böden in den Klassen D und E (pH-Wert zu hoch) sollen nicht gekalkt werden.
Moorböden haben eigene, deutlich niedrigere Zielwerte und gehören in die Beratung.
Kalkarten und Aufwandmengen
Erhaltungskalkung in kleinen Gaben
Für die Erhaltungskalkung auf Grünland nennt die Landesanstalt Hessen je nach Boden 500 kg (leichte Böden), 700 kg (mittlere) und 800 kg CaO/ha (schwere Böden); die Werte aus Bodenuntersuchungen gelten für 3 Jahre.
Auch Böden in der Gehaltsklasse C brauchen eine Erhaltungskalkung, etwa wegen Ertragsentzügen, kalkzehrender Dünger wie Gülle und Auswaschung.
Liegt der pH-Wert unter dem Zielbereich, sind Einzelgaben auf 1.500, 2.000 bzw. 3.000 kg CaO/ha begrenzt; die Gaben werden wiederholt, bis der Zielbereich erreicht ist.
Kleine, regelmäßige Gaben sind besser als große Einzelgaben, weil sie die Narbe schonen, den pH-Wert gleichmäßig halten und Nährstoffverluste vermeiden. Große Mengen auf einmal können den pH-Wert an der Oberfläche zu stark anheben und die Grasnarbe belasten.
Magnesiumkalk bei Mg-Mangel
Zeigt die Bodenuntersuchung einen niedrigen Magnesiumgehalt, bietet sich ein Magnesiumkalk an, der Kalzium und Magnesium (Mg) gemeinsam liefert; die Landesanstalt Hessen empfiehlt bei Magnesiummangel magnesiumhaltige kohlensaure Kalke, alternativ Kieserit oder Korn-Kali.
Magnesium ist auch für die Tiere von Bedeutung: Bei der Weidetetanie fällt der Magnesiumgehalt im Blut ab, besonders bei jungem Gras und einseitigen Grasbeständen. Sie kann auch bei ausreichender Mg-Versorgung des Bodens auftreten, und eine Überversorgung mit Kali verschlechtert die Magnesiumaufnahme (LK Salzburg).
Die Kalkart allein löst das Problem also nicht – die Fütterung gehört mit in die Betrachtung. Welche Kalkart sich für welchen Boden eignet, ist im Beitrag Kohlensaurer Kalk, Branntkalk oder Dolomitkalk beschrieben.
Zeitpunkt: nach der letzten Nutzung im Herbst
Grünland wird am besten nach der letzten Nutzung im Herbst gekalkt. Die Narbe ist dann kurz, der Kalk gelangt direkt auf den Boden und kann bis zum Frühjahr einwaschen. Außerdem wird das Futter nicht verschmutzt, wie es bei einer Gabe kurz vor dem Aufwuchs der Fall wäre.
Bei Branntkalk und Mischkalk sollte zwischen Kalkung und Gülleausbringung nach Angabe der Landesanstalt Hessen mindestens ein stärkerer Niederschlag liegen, ideal sind zwei bis drei Wochen Abstand, damit keine Ammoniakverluste entstehen. Kohlensaure Kalke erhöhen unter Praxisbedingungen kein Ammoniakverlustrisiko.
Der allgemeine Vergleich von Herbst und Frühjahr findet sich unter Kalkung im Herbst oder Frühjahr. Sperrfristen für stickstoffhaltige Dünger auf Grünland regelt die Düngeverordnung. Zum Abstand zwischen Kalk und Gülle siehe die Meldung Was hat Gülle mit Kalk zu tun?.
Streutechnik auf Grünland
Bodenschonung
Auf Grünland ist die Narbe zwar belastbar, dennoch sollten feuchte Flächen nicht befahren werden. Verdichtungen und Spurrillen schädigen die Grasnarbe und die Wurzeln. Niederdruck- oder Breitreifen und ein angepasster Reifendruck helfen, den Bodendruck zu senken (siehe Bodenverdichtung vermeiden).
Streubild
Weil die Gaben klein sind, gewinnt die Genauigkeit an Gewicht: Eine ungleichmäßige Verteilung wirkt sich bei 5–8 dt/ha stärker aus als bei großen Mengen, da die Abweichung schnell einen erheblichen Teil der Gabe ausmacht. Eine gleichmäßige Querverteilung und eine geprüfte Dosierung sind daher wichtig. Wie diese Prüfung abläuft, zeigt der Beitrag Streugenauigkeit und Querverteilung. Geeignete Maschinen sind der KURIER Kalkstreuer für die Kalkung und der KURIER Düngerstreuer für die Düngung.
Zusammenfassung
Für die Kalkung von Grünland empfiehlt sich: regelmäßig beproben, den Zielbereich nach Bodenart anstreben, in kleinen Gaben über mehrere Jahre kalken, nach der letzten Nutzung im Herbst streuen und die Technik bodenschonend und genau einstellen.