Kohlensaurer Kalk, Branntkalk oder Dolomitkalk: Welcher Kalk passt zu welchem Boden?
Das Wichtigste in Kürze
- Kernaussage: Welche Kalkart passt, richtet sich nach zwei Fragen: Wie schnell soll der pH-Wert steigen, und braucht der Boden zusätzlich Magnesium?
- Entscheidend: Kohlensaurer Kalk ist der Standard für die Erhaltungskalkung auf allen Böden. Branntkalk wirkt innerhalb weniger Stunden, eignet sich für mittlere bis schwere Böden und ist stark reizend (Schutzausrüstung nötig). Dolomitkalk liefert zusätzlich Magnesium. Kalke aus Industrie und Verarbeitung schwanken stärker in der Zusammensetzung.
- Empfehlung: Für die laufende Pflege genügt meist kohlensaurer Kalk, für schnelle Korrekturen auf schwereren Böden Branntkalk, bei Magnesiummangel Dolomitkalk. Die Wahl sollte nach einer Bodenuntersuchung fallen, die Deklaration auf dem Lieferschein ist zu prüfen.
Unter dem Begriff „Kalk“ werden im Handel sehr unterschiedliche Produkte angeboten, die sich in chemischer Form, Wirkungsgeschwindigkeit und Nebenwirkungen deutlich unterscheiden. Welche Kalkart geeignet ist, hängt vom Boden, vom Kalkungsziel und davon ab, ob zusätzlich Magnesium benötigt wird. Die Wahl sollte deshalb nach einer Bodenuntersuchung getroffen werden (siehe Bodenprobe und pH-Wert).
Grundsätzlich lassen sich die Produkte nach zwei Fragen sortieren: Wie schnell soll der pH-Wert steigen, und braucht der Boden zusätzlich Magnesium? Wer diese beiden Punkte kennt, kann die übrigen Unterschiede – Handhabung, Streubarkeit, Preis je Einheit wirksamer Substanz – sachgerecht einordnen. Dabei ist zu beachten, dass die Kalkarten nicht gegeneinander ausgespielt werden müssen: Viele Betriebe setzen im Normalfall einen kohlensauren Kalk ein und greifen nur bei Bedarf zu einem schneller wirkenden Produkt.
Kohlensaure Kalke: der Standard für die Erhaltungskalkung
Herkunft, Wirkung, Einsatzbereiche
Kohlensaure Kalke bestehen im Wesentlichen aus Kalziumkarbonat (CaCO₃) und werden aus natürlichen Kalkvorkommen gewonnen und vermahlen. Sie lösen sich im Boden vergleichsweise langsam und wirken je nach Vermahlung und Ausgangsgestein mittelfristig, also innerhalb von Tagen bis einigen Monaten; Kreidekalke wirken relativ schnell (Tage bis Wochen). Dadurch eignen sie sich für die Erhaltungskalkung (die regelmäßige Gabe, die laufende Kalkverluste durch Auswaschung und Pflanzenentzug ausgleicht) auf allen Böden. Weil sie wenig ätzend sind und kaum Staubprobleme verursachen, gelten sie im Betrieb als unkomplizierte Variante. Je feiner das Material vermahlen ist, desto größer ist die Oberfläche und desto schneller wird der Kalk im Boden umgesetzt; allerdings hat vor allem bei kohlensauren Kalken auch das Ausgangsgestein Einfluss. Das DLG-Merkblatt 456 nennt als Qualitätsindikatoren den Neutralisationswert (NW, in % relativ zu reinem Calciumoxid; bei kohlensauren Kalken 42–57 %), Bindungsform, Mahlfeinheit, Reaktivität, Streufähigkeit, Begleitnährstoffe und unerwünschte Nebenbestandteile. Mahlfeinheit und Neutralisationswert sollten beim Kauf berücksichtigt werden.
Branntkalk und Mischkalke für schnelle Aufkalkung
Branntkalk besteht aus Kalzium- und Magnesiumoxiden (CaO bzw. MgO). Er wird durch Brennen von Kalkstein hergestellt und ist chemisch deutlich reaktiver als kohlensaurer Kalk. Branntkalk wird bei etwa 1.000 °C aus Kalk- oder Dolomitgestein hergestellt; sein Neutralisationswert liegt zwischen 70 und 111 %. Mischkalke bestehen aus Mischungen carbonatischer Kalke mit Branntkalk (Neutralisationswert 50–60 %). Brannt- und Mischkalke wirken kurzfristig und eignen sich besonders für mittlere und schwere Böden zur Auf- und Gesundungskalkung und zur Verbesserung der Bodenstruktur (Strukturkalkung).
Wirkung innerhalb weniger Stunden
Branntkalk wirkt kurzfristig, nach dem DLG-Merkblatt innerhalb einiger Stunden. Er reagiert im Boden mit Wasser und neutralisiert Säuren sehr rasch, sodass der pH-Wert schnell steigt. Dies ist von Vorteil, wenn ein stark abgesunkener pH-Wert zügig korrigiert werden muss, etwa vor der Aussaat einer anspruchsvollen Kultur. Wann sich schnell wirkende Kalke im Frühjahr lohnen, steht im Beitrag Kalkung im Herbst oder Frühjahr.
Einsatz auf mittleren bis schweren Böden
Der Einsatz konzentriert sich auf mittlere bis schwere Böden. Dort wirkt der schnelle pH-Anstieg zusätzlich auf die Bodenstruktur, weil die Tonteilchen flocken (sich zu stabilen Aggregaten verbinden). Auf leichten Böden besteht dagegen die Gefahr, den pH-Wert zu abrupt anzuheben. Außerdem sollten Gaben begrenzt und über die Jahre verteilt werden: Für die Gesundungskalkung nennt das DLG-Merkblatt 456 als Obergrenze je Ausbringungsgang 30 dt CaO/ha auf leichten, 60 dt auf mittleren und 90 dt auf schweren Böden. Schnell wirkende Kalke erhöhen den pH-Wert rasch; bei höheren Gaben kann zeitweise die Mobilität von Kupfer, Zink und Mangan eingeschränkt sein. Branntkalk und Mischkalk müssen vor der Gülleausbringung eingearbeitet werden, und Branntkalk ist vor Feuchtigkeit zu schützen, weil er mit Wasser schnell zu Löschkalk reagiert. Im Erd- und Straßenbau wird Branntkalk ebenfalls eingesetzt, siehe Bodenverbesserung mit Kalk und Zement; die passende Technik zeigen die BMS Bindemittelstreuer.
Sicherheitshinweise beim Streuen (reizend, Staub)
Branntkalk wirkt stark reizend, vor allem in Verbindung mit Feuchtigkeit – etwa auf der Haut, in den Augen oder den Atemwegen. Beim Umgang und beim Streuen sind deshalb Schutzbrille, Handschuhe und geeignete Kleidung erforderlich; Staubbildung sollte durch passende Technik und Witterung (keine windigen Tage) begrenzt werden. Die Angaben im Sicherheitsdatenblatt des jeweiligen Produkts sind maßgeblich. Herstellerdatenblätter stufen Calciumoxid als hautreizend (H315), schwer augenschädigend (H318) und atemwegsreizend (H335) ein; Atemschutzempfehlungen stehen im Sicherheitsdatenblatt (Abschnitt 8). Wie sich die Staubbelastung beim Streuen verringern lässt, beschreibt Staubarmes Streuen von Bindemitteln.
Dolomitkalk und Magnesiumversorgung
Dolomitkalk (auch Magnesiumkalk genannt) liefert zusätzlich zum Kalzium Magnesium (Mg) und passt deshalb besonders auf magnesiumarme Böden. Magnesium ist unter anderem Bestandteil des Chlorophylls und für die Photosynthese unverzichtbar; auf leichten, sauren Standorten wird es leicht ausgewaschen. Die Magnesiumversorgung ergibt sich aus der Bodenuntersuchung: Liegt der Gehalt niedrig, ist Dolomitkalk die einfachste Möglichkeit, Kalkung und Magnesiumdüngung zu verbinden. Bei bereits hohem Magnesiumgehalt ist ein kalziumbetonter Kalk dagegen vorzuziehen. Nach dem DLG-Merkblatt 456 können kohlensaure Magnesiumkalke bis zu 45 % MgCO₃ enthalten, bei Magnesium-Branntkalken sind es bis zu 22 % MgO; mit zunehmendem Magnesiumgehalt sinkt bei vergleichbarer Korngröße die Umsetzungsgeschwindigkeit. Welche Mindestgehalte für die jeweilige Typenbezeichnung gelten, regelt die Düngemittelverordnung; maßgeblich ist die Deklaration auf dem Lieferschein.
Spezialkalke aus Industrie und Verarbeitung
Neben den Naturprodukten stehen Kalke zur Verfügung, die als Nebenprodukte in Industrie und Verarbeitung anfallen. Sie können günstig sein, ihre Zusammensetzung schwankt jedoch stärker, weshalb auf die Deklaration der Inhaltsstoffe zu achten ist.
Hütten- und Konverterkalke
Hütten- und Konverterkalke fallen bei der Stahlerzeugung an. Sie bestehen im Wesentlichen aus silikatischen Verbindungen (CaSiO₃, MgSiO₃); je nach Einsatzstoff enthalten sie Magnesium sowie Phosphat oder Mangan. Die enthaltene freie Kieselsäure (8–20 %) wirkt strukturverbessernd und verbessert die Pflanzenverfügbarkeit von im Boden gebundenem Phosphat. In Wirkung (mittelfristig, Tage bis einige Monate) und Einsatz sind sie den kohlensauren Kalken vergleichbar; der Neutralisationswert liegt bei 40–50 %.
Carbokalk aus der Zuckerproduktion
Carbokalk entsteht bei der Reinigung des Rübensafts in der Zuckerfabrik und besteht vorwiegend aus Kalziumkarbonat. Er liegt als sekundäres Carbonat vor und wirkt wegen seiner Feinkörnigkeit schnell (Tage bis Wochen). Der Neutralisationswert ist mit 15–25 % niedrig, dafür enthält er nennenswerte Mengen Stickstoff (ca. 0,3 % N), Phosphat (0,5–1,4 % P₂O₅) und Magnesium. Wegen des niedrigen Neutralisationswerts sind je Hektar große Warenmengen nötig. Angefeuchtete Kalke werden laut DLG-Merkblatt mit Großflächen-Streutechnik mit großen Tellerstreuwerken ausgebracht und meist im Freilager gelagert.
Entscheidungshilfe: Kalkart nach Boden und Ziel
| Kalkart | Wirkung | Geeignet für | Typisches Ziel |
|---|---|---|---|
| Kohlensaurer Kalk | mittelfristig (Tage bis einige Monate) | alle Böden | Erhaltungskalkung |
| Branntkalk / Mischkalk | schnell (einige Stunden) | mittlere bis schwere Böden | rasche Aufkalkung, Strukturkalkung |
| Dolomitkalk | mittelfristig, liefert Mg | magnesiumarme Böden | Kalkung mit Mg-Versorgung |
| Hütten-/Konverterkalk | mittelfristig (Tage bis einige Monate) | alle Böden | Erhaltungs- und Aufkalkung mit Kieselsäure |
| Carbokalk | kurzfristig (Tage bis Wochen) | alle Böden | Erhaltungskalkung mit N, P und Mg |
Zusammenfassend gilt: Für die laufende Pflege genügt auf den meisten Flächen kohlensaurer Kalk, schnelle Korrekturen auf schwereren Böden übernimmt Branntkalk, und wo Magnesium fehlt, wird auf Dolomitkalk zurückgegriffen. Unabhängig von der Kalkart entscheidet die gleichmäßige Verteilung über den Erfolg – die geeignete Technik finden Sie bei Kalkstreuer mit Zweischeiben- oder Schneckenstreuwerk.